Spezialbetrieb im Gemüsegarten der Schweiz
Das Berner Seeland gilt als eigentlicher Gemüsegarten der Schweiz. Etwa 500 Gemüsebauern bauen hier auf den fruchtbaren Böden rund einen Fünftel des Schweizer Gemüses an. Einer von ihnen ist Lorenz Gutknecht in Ins. Sein Betrieb zählt mit einer Anbaufläche von über 60 Hektaren zu den grössten Gemüsebetrieben überhaupt. Schon von weitem sind die riesigen Lager- und Kühlhallen zu erkennen. Lorenz Gutknecht hat sich auf den Anbau von Lagergemüse spezialisiert: Kabis, Zwiebeln, Karotten, Randen, Zuckerhut und Ciccorino Rosso.
Die Lager leeren
Meter hoch türmen sich im Kühlraum die Kisten mit Zwiebeln und Karotten aus dem Vorjahr. Soeben fährt ein Lastwagen auf dem Hof vor, um ein paar Tonnen Ware zu laden. Es herrscht ein reges Treiben im Frühling. Denn während sich die Lager langsam leeren, läuft draussen auf den Feldern bereits der Anbau der diesjährigen Kulturen auf Hochtouren. «Die Übergangszeit zwischen Lagersaison und der Anbauzeit für Frischgemüse gehört zu den strengsten. Neben der Vermarktung der Lagersorten müssen gleichzeitig die Felder für die Sommerernte neu bestellt werden», erklärt Lorenz Gutknecht. Sobald es das Wetter zulässt, erfolgt ab März die Aussaat von Zwiebeln, Karotten, Chinakohl und Randen. Etwas später im April folgen Zucchetti und Krautstiele.

Alles muss schnell gehen
Und schon wieder klingelt das Telefon. Ein befreundeter Gemüseproduzent braucht am nächsten Tag noch ein paar Tonnen Zwiebeln. „So geht das die ganze Zeit“, lächelt er. Die Gemüsebranche ist ein schnelllebiges Geschäft. Während der Sommerernte meldet Gutknecht jeweils am Morgen per Telefon oder direkt im Internet den Händlern, wie viel Ware er liefern kann. Die definitive Bestellung erfolgt dann spätestens am Abend, manchmal ganz kurz per SMS. Wenn er Pech hat, bleibt er auf der Ware sitzen. Dann nämlich, wenn plötzlich zu viel Ware auf dem Markt ist. Das unternehmerische Risiko trägt immer der Produzent. Die Marktbedingungen ändern aber schnell: Ein Unwetter in einer anderen Region kann dort eine Ernte vernichten und zu einer plötzlichen Verknappung eines bestimmten Gemüses im ganzen Land führen. Des einen Leid ist dann des anderen Freud: Die Preise steigen.
Intensive Produktion und Natur
Auf der Fahrt zu einer Bewässerungsanlage überquert ein Feldhase den Weg. Auch die Natur hat hier ihren Platz: „Wie die übrigen Bauern müssen wir so genannte ökologische Ausgleichsflächen ausweisen“, erklärt Lorenz Gutknecht. Bei ihm sind das Hecken und ein Stück Wald. Das weitflächige, ausgeklügelte Kanalsystem für die Bewässerung deutet aber an, dass wir uns hier in einem landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebiet befinden. Ideal für Gemüse eben. Lorenz Gutknecht ist auf dem Betrieb in Ins aufgewachsen und hat das Gemüse schon fast im Blut. Seine Eltern helfen heute noch fleissig auf dem Betrieb mit. Seine Frau Angelika Gutknecht ist für die Buchhaltung und das Büro verantwortlich. Der Familienbetrieb beschäftigt neben dem stellvertretenden Betriebsleiter Peter Liem ganzjährig 14 ausländische Angestellte, die alle auf dem Betrieb wohnen.

Lager wieder auffüllen
Bereits im Sommer muss Lorenz Gutknecht schon wieder an den Winter denken. Dann sät und pflanzt er die speziellen Gemüsesorten für die Lagerung. Im Herbst müssen genug Kulturen auf den Feldern stehen, damit die Kühlhäuser für die Lagersaison im Winter gefüllt werden können. Das erfordert eine genaue Planung während des ganzen Jahres. Denn Lücken sind unerwünscht, es wäre verlorenes Geld. Wirklich ruhig wird es auf dem Betrieb in Ins also eigentlich nie!
Autor: David Eppenberger
