Direktvermarktung als Erfolgsrezept
Am Rand des Dorfes Malters in der Nähe von Luzern liegt der Biohof Widacher. Hier bewirtschaften Liselotte und Werner Brauchart-Moos ihren 8.5 Hektaren grossen Gemüsebaubetrieb. Sie befolgen die Regeln des biologischen Landbaus. Sie verzichten deshalb auf chemische Pflanzenschutzmittel und verwenden nur natürliche Dünger.
Viele verschiedene Sorten
Mit ihren 16 Angestellten bauen die Braucharts über 50 verschiedene Kulturen an, unterteilt in über 200 verschiedene Gemüse-Sorten. «Es wäre einfacher und kostengünstiger, nur ein paar wenige Kulturen anzubauen», sagt Werner Brauchart. Doch der Betrieb verkauft einen grossen Teil seiner Produkte direkt an seine Kundschaft. Und diese verlangt ein möglichst breites Sorten-Angebot.
Eigene Setzlinge
In den Gewächshäusern wachsen im Frühling aus Samen die ersten eigenen Gemüse-Setzlinge heran. Wenn sie genug gross sind, werden sie im Freiland oder in den Folienhäusern in die Erde gepflanzt. «Aus 33 Kistchen mit Sellerie-Setzlingen ernten wir beispielsweise in ein paar Monaten 3,5 Tonnen Sellerie», erklärt Werner Brauchart. Obwohl das Ziehen von eigenen Setzlingen aufwendig ist, legt man in Malters Wert darauf, dass der ganze Prozess von Aussaat bis zur Ernte wenn immer möglich unter eigener Kontrolle bleibt. Die meisten übrigen Gemüsebauern kaufen Setzlinge fix fertig bei spezialisierten Betrieben ein.
Viel Handarbeit
Die Arbeitstage auf dem Biohof sind lang und dauern im Sommer von früh morgens bis spät am Abend. Die Pflanzen müssen ausgesät oder gepflanzt werden. Sie müssen vor Schädlingen und Unkraut geschützt werden und brauchen immer genug Wasser. Als Dünger verwendet Werner Brauchart eigenen Kompost aus Pflanzen- und Ernteabfällen. Er wird ergänzt mit biologischen Düngern aus rein pflanzlicher Herkunft, beispielsweise Malz aus der Bierproduktion. Maschinen erledigen vor allem die groben Arbeiten, wie die Bodenbearbeitung im Freiland. Vor allem bei der Ernte ist aber viel Handarbeit gefragt. Im Rüstraum waschen die Angestellten die gepflückten Salate und andere Gemüse und schneiden sie in die richtige Grösse und Form zurecht. Ein Biogrosshändler holt einen Teil der fertig abgepackten Ware auf dem Biohof ab und verteilt sie anschliessend in Bioläden und anderen Fachgeschäften in der ganzen Schweiz.

Direktvermarktung
Zwei Mal in der Woche fährt Schwiegermutter Anna Moos auf den Markt nach Luzern. Sie ist dort seit vielen Jahren eine feste Grösse und kann auf eine Stammkundschaft zählen. Diese schätzt das frische Gemüse aus der Umgebung. «Der Kontakt zu den Kunden ist für einen Direktvermarktungsbetrieb das A und O», erklärt Werner Brauchart. Er betreibt zusätzlich einen Hofladen, wo er nicht nur eigenes Gemüse anbietet, sondern das Sortiment gezielt mit zugekauften Bioprodukten ergänzt. «Bei uns findet man fast alles, was es für den einfachen Haushalt braucht», sagt der Gemüsebauer. Für Bestellungen per Telefon oder immer häufiger über das Internet steht zudem der eigene Hauslieferdienst bereit.

Standbein Sprossen
Als zusätzliches Standbein setzt der Biohof auf die Sprossenproduktion. Dabei werden Gemüsesamen ausgekeimt und die jungen, vitaminreichen Sprossen nach wenigen Tagen geschnitten und als Spezialität verkauft. Sie wachsen in Innenräumen, unabhängig von Licht und Wettereinflüssen und Jahreszeit. «Die Sprossenproduktion sichert uns ein konstantes Einkommen, neben all den Schwankungen in der Gemüseproduktion», sagt Werner Brauchart. Er ist überzeugt, dass selbst ein relativ kleiner und vielseitiger Betrieb wie der Biohof Widacher mit seinen Qualitäts-Produkten, einer klugen Vermarktungsstrategie und seinen guten Ideen eine Zukunft hat.
Autor: David Eppenberger
